ETH Zürich


2. Jahr

Nachdem wir uns im ersten Jahr zu 100% nur auf das Studium konzentriert hatten, nahmen wir uns für das dritte und vierte Semester vor, uns auch etwas die extra curricularen Möglichkeiten an der ETH anzunehmen. So traten wir zu Beginn des dritten Semesters dem Akademischen Aviatikverein Zürich bei, in dem sich Freunde der Luftfahrt tümmeln und Exkursionen organisiert werden wie z. B. ein Besuch auf der REGA Basis Kloten, Werksbesichtigung bei der RUAG in Emmen oder auch spannende Vorträge wie derjenige Claude Nicolliers «Flying on the Space Shuttle». So fanden wir uns wieder näher in der Welt der Aviatik, was zusätzlich motiviert, das Studium zu absolvieren.

 

Wer denkt, nach der Basisprüfung darf man den Fuss etwas vom Gas nehmen, liegt allerdings falsch, denn der Unterricht geht unbarmherzig weiter. Die Prüfungen finden nun im Semesterrhythmus statt, was die Stoffmenge pro Prüfung zwar erleichtert, allerdings ist die Lernphase auch erheblich kürzer als im Sommer. Die vermeintlich lockeren fünf Prüfungen scheinen also nach wenig auszusehen, allerdings ist der Stress fast grösser als in der Lernphase des Basisjahres.

 

Eine Abwechslung stellte auch der Stoff dar: Die neu zu lernenden Fächer waren die Weiterführungen der Kurse Analysis, und Mechanik, sowie die von Grund auf neuen Fächer Thermodynamik, Control Systems, Dimensionieren und Physik. Ausserdem muss man an der ETH sechs Credits in einem sozialwissenschaftlichen Fach verdienen, um einen Ausgleich zu den Naturwissenschaften zu haben. Also belegten wir zusätzlich den Kurs «Der Mond über dem Cape Canaveral, Lektüren zur Technikgeschichte der Raumfahrt», in dem wir aus einer rein historischen Perspektive diese Epoche aufarbeiteten.

 

Das Semester hatte kaum begonnen, da war es schon wieder vorbei (So kam es uns wenigstens vor…) und wir fanden uns erneut in einer Lernphase wieder. Wie bereits erwähnt war diese viel kürzer (Man will ja nicht schon über Weihnachten beginnen zu lernen…) und so begann der Stress so richtig Mitte Januar. Zum Glück fiel das Fach Physik weg, da dies in einer Jahresprüfung erst im Sommer abgefragt wird, so hatten wir ein Quäntchen Erleichterung im Winter. Immerhin gab es diesmal keine Strandfotos von Kollegen um uns weiter zu motivieren. Glück hatten wir insofern, dass unsere Prüfungen zu Beginn der Prüfungssession angesetzt waren, und so hatten wir doch zwei Wochen Ferien im Februar, was umgerechnet in die ETH-Zeitskala eine halbe Ewigkeit ist! So konnten wir noch ein wenig Pulverschnee in Davos geniessen, bevor uns das vierte Semester nochmals alles abverlangt.

1. Jahr

Als am 15. September 2016 beim Selektionsentscheid die Worte «Diese Herren werden nächsten Montag ihre Ausbildung an der ZHAW Winterthur antreten, ausser die Herren Lt Eicher und Lt Krause, denn sie werden ihre akademische Ausbildung an der ETH Zürich absolvieren fiel uns zuerst wörtlich «der Laden runter». Kurze Zeit später realisierten wir, dass so aber Plan A (Militärpilot) und Plan B (Maschinenbaustudium) gleichzeitig aufgingen. Mehr konnten wir uns gar nicht wünschen.

 

So begannen wir am 19. September 2016 unser Studium nicht in Winterthur, sondern in Zürich. Die ETH stellt einen krassen Kontrast dar zu den Abläufen an der ZHAW. So ist der Maschinenbau-Studiengang einer der grössten in der Schweiz mit ca. 550 Studenten pro Jahrgang. Dies bedeutete aber auch, dass man sofort einige Gesichter erkannte aus dem Militär oder dem Gymnasium. Der Unterricht findet viel unpersönlicher statt: Da die Unmenge an Studenten nicht in einem Saal untergebracht werden kann, befindet sich am Ende des Raumes ein Kameramann, der die ganze Vorlesung filmt, welche so per Livestream in einem anderen Saal mitverfolgt werden kann, oder sogar am nächsten Tag zu Hause im Internet nachgeholt werden kann. Etwas persönlicher sind dann die Übungsstunden, die je nach Qualität des Übungsleiters (Meist ein Masterstudent oder Doktorand) in Gruppen von 5 bis 50 Studenten absolviert werden.

 

Unser erstes Jahr, auch Basisjahr genannt, stellte nach der Militärpilotenselektion gleich die nächste Herausforderung dar. Gleich 40% - 50% bestehen dies in der Regel nicht! Grund dafür ist sicherlich das Level an Wissen das einem vermittelt wird (Die ETH belegt nicht umsonst regelmässig einen Top 10 Platz in den Universitäten der Welt), aber auch das Prüfungsformat: Erst am Schluss der beiden Semester gibt es sieben Prüfungen die es alle in sich haben. Dies bedeutete ackern bis spät am Abend, die freien Wochenende geniessen, und manchmal auch etwas beissen. Nach einigen Wochen stellt sich aber gemächlich ein Rhythmus ein und man lernt schnell, wo man seine Arbeitsmethoden effizienter planen kann.

 

Der Unterrichtsstoff ist viel weniger Aviatik-bezogen als er es an der ZHAW ist, da wir hier aber von Maschinenbau sprechen, liessen uns Beispiele aus dem Flugzeugbau immer wieder aufhorchen. Das Highlight stellte aber wohl ein Dozent dar, der seinen Lehrplan des Semesters in Form einer Arrival/Departure Tafel präsentierte… Der Minuspunkt der ETH ist wohl aber, dass der Unterricht sehr theoretisch gehalten wird. Einzig ein fünfwöchiges Industriepraktikum gehört zum Bachelor-Programm, in dem man verschiedene Fertigungs- und Bearbeitungsmethoden zu sehen bekommt. Ansonsten werden die Fächer Analysis, lineare Algebra, Informatik, Mechanik, Maschinenelemente & Innovationsprozesse, Werkstoffe und Fertigung und Chemie im Basisjahr durchgenommen. Je nach Dozent mehr oder weniger unterhaltsam bzw. spannend. Im zweiten Semester mussten wir ausserdem im Rahmen des Innovationsprojektes einen Laufroboter bauen, der in der Lage war, verschiedene Gesteinsproben (Holzwürfel mit Magneten…) aus verschiedenen Löchern zu holen und diese lagern. Hätte dieses Projekt nicht soviel Zeit verschluckt, hätten wir wahrscheinlich ein Vielfaches mehr Spass daran gehabt, aber schlussendlich war es doch irgendwie witzig und lehrreich.

 

Sommer 2017 war da und somit die lang ersehnte Erholung des harten Studienjahres… Oder halt auch nicht. Die vorher erwähnten sieben Prüfungen finden nämlich erst im August statt, was bedeutet, dass ab Semesterschluss (Juni) neun Wochen der Stoff des vergangenen Jahres nochmals durchgepaukt werden muss. Cool, nicht? Unser riesen Vorteil bestand darin, dass wir zu zweit die ETH absolvierten, sodass wir uns immer gegenseitig zum Lernen zwingen konnten, wenn man mal weniger Bock hatte. Dies Zogen wir auch konsequent durch (Okay, mal weniger mal mehr effizient…) und legten uns geschickt in die Mitte der Lernphase eine halbe Woche Sport in Magglingen mit dem Rest unserer Pilotenklasse. Verläuft der Beginn der Lernphase etwas Schleppend, so vergehen die letzten zwei Wochen wie im Fluge und schon sind die Prüfungen da. Es gibt sicherlich angenehmere Gefühle als mit 200 Studenten in einem Saal eingepfercht zu sein und eine Prüfung zu schreiben, während man aus dem Freundeskreis ständig Urlaubsfotos zugeschickt bekommt, dafür war das Ende der Prüfungen umso schöner! Als im Urlaub auf Zypern dann die Resultate rein kamen, war die Erleichterung riesengross und wir konnten unsere restliche halbe Woche Ferien nochmals richtig geniessen, bevor wir uns mit neuer Motivation aufs zweite Jahr stürzen konnten!