Militärische Selektion


Nach der Rekrutierung kann die Bewerbung zum Berufsmilitärpiloten eingereicht werden. Danach wird man als Bewerber bei der Luftwaffe aufgenommen und für die Selektionen eingeplant, welche unter Obhut des fliegerärztlichen Institutes und der Luftwaffe durchgeführt werden.  

Als Erstes wird die Berufseignungsabklärung (BEA) absolviert, welche aus drei Teilen besteht (PEG, FBA und PC-7 Simulator). In der Regel wird die BEA vor dem Militärdienst absolviert.

 

1. PEG (Psychologisches Eignungsgespräch)...............................................PASSED

Das PEG ist der erste Teil der BEA und dauert einen Tag. Zu Beginn findet ein kurzer Sehtest statt. Danach wird man alleine von Psychologen des FAI in Dübendorf befragt. Dabei wollen die Psychologen den Kandidaten besser kennenlernen und herausfinden, ob man die Eigenschaften mitbringt, welche einen Militärpiloten auszeichnen. Am Schluss des Tages wird einem das Resultat persönlich mitgeteilt.

Als Vorbereitung auf diesen Tag empfehlen wir, sich Gedanken über die eigene Motivation für den Beruf Militärpilot zu machen.

 

 2. FBA (Flugpsychologische Berufseignungsabklärung).................................PASSED

Die FBA dauert zwei Tage und findet wiederum im FAI in Dübendorf statt. Am ersten Tag finden verschiedene psychologische Tests statt. Im Unterschied zum PEG liegt der Fokus bei der FBA in der Teamfähigkeit. Daher finden viele Gruppenübungen statt, in welchen die Kommunikations-, Durchsetzungs- und Teamfähigkeit des Kandidaten überprüft werden. Es gibt aber auch Einzelübungen, in welchen unter Zeitdruck eine praktikable Lösung gefunden werden muss.

Am zweiten Tag finden diverse medizinische Tests statt, mit dem Ziel, das Medical Class 1 zu erhalten.

Der Entscheid des psychologischen Teils wird dem Kandidaten bereits am zweiten Tag mitgeteilt. Der Entscheid über die medizinische Tauglichkeit dauert etwas länger, da manchmal noch zusätzliche Abklärungen durchgeführt werden müssen.

 

PC-7-Simulator in Locarno (Symbolbild © VBS)
PC-7-Simulator in Locarno (Symbolbild © VBS)

3. PC-7-Simulator................................................PASSED

Im dritten und letzten Teil der BEA rückt der Anwärter nach Locarno in die Simulatorselektion ein. Diese dauert in der Regel von Sonntagabend bis Donnerstagmittag.  Zum ersten Mal fasst der Anwärter ein Militärkombi und darf im Cockpit des PC-7 Simulator Platz nehmen. Doch Zeit zum Geniessen bleibt kaum. In sechs Flügen wird der Kandidat auf sein fliegerisches Talent hin untersucht. Dabei muss er beweisen, dass er den fliegerischen Anforderungen eines Militärpiloten gewachsen ist und über eine hohe Stresstoleranz verfügt.

Wie schon im SPHAIR-Kurs gilt es, die Procedures der PC-7 schnell zu erlernen und fehlerfrei umzusetzen. Während den Flügen hat man keine Sicht nach aussen, sondern muss mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten ein vorgegebenes Flugprogramm so genau wie möglich abfliegen. 

Mit Wehmut gibt man nach dem letzten Flug das Kombi zurück und wartet gespannt auf das Resultat. Dieses sollte nach ca. 2 Tagen per Post mitgeteilt werden.

4. Offiziersausbildung......................................................COMPLETED

Alle Anwärter müssen vor der PC-7 Selektion mindestens den Rang eines Leutnant erreichen und abverdienen. Dies dauert in der Regel etwas länger als ein Jahr. Die verschiedenen Teile der Ausbildung sind in der unteren Grafik dargestellt.

Die Truppengattung kann bei der Rekrutierung frei gewählt werden, je nach eigener Neigung und Motivation. Auch wir haben die militärische Ausbildung in verschiedenen Teilen der Armee absolviert, von der Infanterie bis zur Artillerie ist alles dabei. Der RS-Start kann ebenfalls frei gewählt werden. Die Sommer-RS hat den Vorteil, dass man die PC-7 Selektion ohne Verzögerung direkt an das Abverdienen anschliessen kann.

Die Offiziersausbildung empfanden wir als anstrengend, aber auch sehr lehrreich. Während der Offiziersschule lernt man viele wichtige Eigenschaften, welche auch als Militärpilot unabdingbar sind. Dazu gehören: Arbeiten unter hoher körperlicher Belastung, schnelle Entschlussfassung, grosse Verantwortung tragen und Kameradschaft unter widrigen Bedingungen. Zu den Highlights in dieser Zeit zählen sicherlich der 100km-Marsch am Ende der Offiziersschule oder das Führen eines eigenen Zuges während 18 bzw. 21 Wochen.

Wenn du mehr über die Ausbildung zum Offizier erfahren willst, klick auf das untere Bild.

Laufbahn zum Zugführer (Bild: Schweizer Armee), Klick auf das Bild, um mehr zu erfahren
Laufbahn zum Zugführer (Bild: Schweizer Armee), Klick auf das Bild, um mehr zu erfahren

5. PC-7-Selektion............................................................PASSED

Alle 21 Teilnehmer der Selektion, die Fluglehrer und der Kommandant der Selektion
Alle 21 Teilnehmer der Selektion, die Fluglehrer und der Kommandant der Selektion

Die PC-7 Selektion ist die letzte Hürde in der Selektion zum Militärpiloten. Während sechs Wochen wird der Anwärter intensiv auf dem Turbo Trainer PC-7 in Locarno ausgebildet und geprüft. In 13 Ausbildungsflügen wird dem Kandidaten das nötige Wissen und Können vermittelt, um am Schluss die alles entscheidenden 5 Prüfungsflüge zu absolvieren. In diesen Flügen wird vom Anwärter alles abverlangt, und er muss beweisen, dass er das Zeug zum Militärpiloten  besitzt. Hier entscheidet sich, wer am Schluss der Selektion von der Luftwaffe angestellt wird und die Ausbildung zum Militärpiloten beginnen kann. Für jeden von uns war es ein unvergessliches Erlebnis.

 

Lies den folgenden Erfahrungsbericht der PK 15, falls du mehr über die PC-7-Selektion erfahren willst.

 

Bericht der PK 15 von der PC-7 Selektion vom 08.08.2016 bis 16.09.2016

 

Am Montag, 08. August, fanden sich 21 junge Leutnants vor dem Eingang der Airbase Locarno ein, die uns aus der Simulator Selektion noch in guter Erinnerung war. Wir wussten: Jetzt gilt es ernst. Die nächsten sechs Wochen werden darüber entscheiden, ob unser Traum vom Militärpiloten Realität wird. Während einige von uns ihre Uniform das erste Mal seit langem wieder angezogen hatten, kamen andere direkt aus dem Militärdienst nach Locarno. Zum Erstaunen der vielen Luftwaffenoffiziere hatten sich auch einige Exoten aus der Artillerie, Panzertruppen, Sanität, Infanterie und sogar den Spezialkräften auf die Airbase verirrt. Trotz der unterschiedlichen Truppengattungen und der anfänglichen Nervosität wurde das Eis schnell gebrochen, und wir bildeten ein eingespieltes Team.

Bereit zum Flug
Bereit zum Flug

Nach der offiziellen Meldung wurden wir durch den Kommandanten und durch unsere zukünftigen Fluglehrer begrüsst. Die erste Woche startete mit diversen Theorieblöcken, in welchen wir die Fächer Fluglehre, Geografie und Flugfunk behandelten. Neben den langen Stunden im Theoriesaal verbrachten wir auch viel Zeit im Hangar mit dem Technischen Dienst. In diesem erklärten uns die Fluglehrer das Cockpit der PC-7 und gingen mit uns die verschiedenen Checks und Procedures durch. Zu diesem Zeitpunkt traute sich noch keiner von uns zu, dass wir schon bald Loopings und andere Kunstflugmanöver in diesem wunderbaren Flugzeug fliegen werden.

Die Zeit nach dem Nachtessen wurde jeweils intensiv genutzt, um das erworbene Wissen über Checklisten und Procedures im Cockpit der PC-7 zu festigen. So warfen uns die Mechaniker erstaunte Blicke zu, als wir jeweils bis spät abends mit Helm und Handschuhen im Cockpit sassen, um die verschiedenen Checks und Manöver mental durchzugehen.

Das Highlight der Einstiegswoche war die Rollübung am Ende der Woche. Das erste Mal durften wir die 550 PS starke Turbine in Betrieb nehmen und uns im Rollen auf dem Taxiway versuchen. Im Anschluss stand ein „Simulated Departure“ auf dem Programm (Vollgas geben, um gleich darauf den Start abzubrechen und die Piste am Ende zu verlassen). Das erste Mal setzten wir „Torque Max“ und spürten die eindrückliche Beschleunigung dieser Maschine. Mit vielen spannenden Eindrücken aus dieser ersten Woche wurden wir in das Wochenende entlassen und mit der SBB „pünktlich“ in den Norden transportiert.

 

Die zweite Woche startete mit dem Meteobriefing und den ersten Flügen. Dank dem schönen Tessiner Wetter konnten wir jeweils zwei Flüge pro Tag absolvieren und machten auf diese Weise sehr schnell Fortschritte. Anfangs der Woche konnten wir erste Erfahrungen im Lagefliegen sammeln, wobei noch viele Demonstrationen durch die Fluglehrer durchgeführt wurden. Ende der Woche konnten wir bereits starten, landen und waren in der Lage „einfache“ Kunstflugmanöver wie zum Beispiel Lazy-8 zu absolvieren. So verging auch die zweite Woche viel zu schnell.

 

In der dritten Woche standen diverse Akrobatikübungen auf dem Programm. So begannen wir zuerst einzelne Figuren separat zu üben, um am Ende der Woche diese zu einem flüssigen Akrobatikprogramm zusammenzuhängen. Diesen ungewohnten Belastungen waren zu Beginn nicht alle Mägen gewachsen. Dies führte bei einigen Selektionsteilnehmern zu „gedämpften“ Hunger während dem Mittagessen.

In dieser Phase durften wir auch in den Genuss von Grey Outs (Gesichtsfeldeinschränkung infolge hoher G-Belastung) kommen, wobei sich die in der ersten Woche erlernte Presstechnik als sehr nützlich erwies. Die Zeit zwischen und nach den Flügen nutzten wir, um die folgenden Flüge vorzubereiten und um wieder frische Energie bei Fussball- und Volleyballmatches zu tanken.

Endanflug einer PC-7 in Locarno
Endanflug einer PC-7 in Locarno

Die Fluglehrer versuchten uns mit viel Elan und Geduld optimal auf die bevorstehende Prüfungsphase vorzubereiten. So stand am Montag in der vierten Woche schon der letzte Ausbildungsflug auf dem Programm. In diesem bekamen wir die Chance mit einem selbständig geschriebenen Flugprogramm unsere individuellen Schwachpunkte zu verbessern. Nach diesem Flug standen 13 PC-7 Flugstunden in unseren Logbüchern. Zum Abschluss der Ausbildungsphase wurden die Ausbildungsfluglehrer standesgemäss verabschiedet und die Checkfluglehrer begrüsst.

Am Mittwoch in der vierten Woche stand dann der erste Prüfungsflug auf dem Programm, was für uns bedeutete: keine Kommentare seitens der Checkfluglehrer während dem Flug und keine Debriefings nach den Flügen mehr. Nun musste jeder Anwärter selber seine Leistung einschätzen und die nötigen Schlüsse daraus ziehen. Diese Ungewissheit steigerte unsere Nervosität zusätzlich.

In den fünf Prüfungsflügen galt es Gelerntes abzurufen, auf neue Aufgabenstellungen flexibel zu reagieren und den Checkfluglehrern zu zeigen, was wir in dieser kurzen Zeit auf der PC-7 gelernt hatten. So ging die Prüfungsphase wortwörtlich wie im Flug vorbei und wehmütig schalteten wir das Triebwerk ein letztes Mal ab. Die Prüfungsphase wurde mit einem klasseninternen Abendessen am Lago Maggiore abgeschlossen, in welchem die gesammelten Erfahrungen eifrig ausdiskutiert wurden. Nun begann das lange Warten auf den Entscheid, der uns am Ende der sechsten Woche mitgeteilt wurde. Um unseren Klassengeist zu stärken und uns von unser Nervosität abzulenken, entschieden wir die Zeit mit einem Urlaub am Plattensee zu überbrücken. 

 

Voller Nervosität trafen wir uns am Mittwoch der sechsten Woche wieder in Locarno. Es galt noch Material und Fahrzeuge abzugeben, bevor das Resultat der Selektion bekannt gegeben wurde. Den Donnerstagmorgen verbrachten wir in Bellinzona, bevor wir am Nachmittag in den Theoriesaal der Kaserne zurückkehrten. Die Klasse wurde dem Kurskommandanten vollständig gemeldet. Daraufhin legte der Kommandant eine Liste mit den acht Namen der zukünftigen PK 15 auf den Projektor.

Die 21 Selektionsteilnehmer hatten danach Zeit ihre Familien über das Resultat zu informieren. Am Freitag wurde der Kurs offiziell beendet und wir verliessen das Tessin in Richtung Norden.

Für die acht selektionierten Anwärter ging die Ausbildung schon am darauffolgenden Montag los.

 

Zum Abschluss können wir sagen, dass die Selektion für uns alle eine sehr intensive, spannende und unvergessliche Zeit war, in welcher wir viele neue Freundschaften geschlossen haben. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei allen Fluglehrern, beim Cheffluglehrer und beim Kommandanten bedanken, die uns mit stoischer Ruhe und Gelassenheit dieses einmalige Erlebnis ermöglicht haben.

Wir wünschen den nächsten Selektionsteilnehmern schon jetzt: many happy landings, happy grey and black outs and happy over g`s.

Over and out

PK 15